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Jagdsaison: Mushroomhunting auf Vartsala

Aktualisiert: 12. Aug. 2023

Lange noch vor dem offiziellen Start der Elchjagd packt uns der Jagdtrieb. Mit Körben bewaffnet pirschen wir durch den Wald. In der Ferne trötet der Kranich und begrüßt unsere Jagd. Wir haben es auf die kleinen im Wald abgesehen. Auf die Pilze. Auf geht's! Rücken wir ihnen zu Felde, wie der Jäger sagt. Oder, was in unserem Fall besser passt, 'zu Walde'. Denn der Wald auf Vartsala soll voll von Pilzen sein, zumindest, wenn man den Einheimischen glauben schenken mag. Am Ende gibt es ein Happy End und Rebecca kocht in unserer Woodcuisine eine leckere Pfifferling-Rahmsuppe.



Kiefernsteinpilz, Birkenpilz und Pfifferling - mit Gummistiefel und Eimern bewaffnet ziehen wir in den Wald.



Das Gold der Wälder


Wenn ich Anfang August die Facebookgruppe unserer kleinen Gemeinde in Kustavi öffne, fallen mir die Bilder, von den mit Pilzen gefüllten Eimer, auf, die jedes zweite Posting schmücken. Eimer, bis zum Rand voll mit goldgelb leuchtenden Pfifferlingen. Manch einer nimmt per Chat gar Bestellungen entgegen, um dann in den Wald zu gehen und die bestellte Ware prompt am nächsten Tag zu liefern. Ein Liter, zwei Liter oder auch fünf! Ich bestelle zwei Liter der leckeren kleinen Spezialität und erhalte sie fristgerecht zum nächsten Morgen. Aha, denken ich, der Wald ist also voll davon. Und so machen Rebecca und ich uns auf den Weg und werden zu Mushroomhuntern.


Gumistiefel an, Eimer in die Hand und los. Doch wohin? Wo verstecken sich Pfifferling & Co eigentlich? Die Menschen hier teilen gerne ihre Beute, nicht aber die Plätze, an denen es sich zu suchen lohnt. Also streifen wir kreuz und quer durch den Wald. Nur Pfifferlinge finden wir keine. Wir ziehen Goggle, Wikipedia und einen digitalen Pilzführer zu Rate. Pfifferlinge wachsen gerne versteckt unter Blättern und Moos in Laub oder Nadelwäldern. Das bedeutet soviel, wie überall und nirgends. Und irgendwie scheint das zu stimmen, denn laut Einheimischen gibt es sie hier, aber wir haben noch keinen gefunden. So groß kann die Insel doch nicht sein.



Weidmannsheil!


Gegen Mittag machen wir Pause in einem der beiden Restaurants unserer Insel, dem Spauna und essen eine Kleinigkeit, um uns zu stärken. Es dauert nicht lange, da betritt ein älteres Paar das Lokal. Gummistiefel, regennasses Haar, zufriedener Gesichtsausdruck. Sie seien im Wald gewesen, erzählen sie, Pilze sammeln. Nun hätten sie sich ein Eis verdient. Der Eimer sei voll... Nein, wir fragen nicht nach, wo genau sie die Pilze gefunden haben - wir wollen es selber versuchen. Außerdem hätten sie es uns sicher nicht verraten. Schließlich bleibt ein gutes Pilzrevier ein wohl behütetets Geheimnis.


Rebecca hat den ersten Pilz entdeckt. Einen Keltavah-

vero oder Kantarelli auf Finnisch - ein echter Pfifferling!


Zurück im Wald nehmen wir erneut die Fährte auf. Wir halten Augen und Ohren offen, denn wir wollen nicht, dass uns unsere Beute noch einmal durch die Lappen geht. Kann man Pilze eigentlich hören? Wir stapfen durch das Unterholz. Nehmen Witterung auf. Nichts. Ein Weißwedelhirsch quert unseren Weg. Ob die alle Pilze einfach auffressen, denke ich.


Gegen Nachmittag ziehen wir noch einmal los. Diesmal mit dem Fahrrad. Wir fahren alle Wege der Insel ab und dann irgendwo am Waldrand bleiben wir stehen. Neben uns im Unterholz, versteckt im Gras leuchtet es gelb. Die Messer werden gezückt. Hier zwischen Wald und Feld haben wir sie ausgemacht. Je näher wir ihnen zu Felde rücken, umso mehr füllen sich unsere Eimer. Und dann unter einer Gruppe alter Eichen stoßen wir auf Weitere. Pfifferlinge! Überall Pfifferlinge! Sie werden zur Strecke gebracht. Der Kranich bläst das Halali.

Auf zum Schüsseltrieb, jetzt darf geschlemmt werden!


Weidmannsdank!


Unter ein paar alten Eichen werden wir schließlich fündig.




Fotostrecke: Pilzsuppe kochen in der Woodcuisine





 

Nature facts


Echter Pfifferling

Der Echte Pfifferling ist bereits seit dem Altertum ein beliebter Speisepilz und wird in großen Mengen gehandelt. Das Fleisch ist knackig fest, im Stiel zäh und faserig, weißlich bis blassgelb gefärbt, schmeckt mild bis pfeffrig (daher der Wortursprung: Pfefferling) und riecht bei frischen Exemplaren fein fruchtartig (nach Aprikosen).


Wo du in Finnland Pfifferling findest

Pfifferlinge wachsen vor allem in südlichen und mittleren Teilen Finnlands. Die nördlichsten Vorkommen reichen bis nach Lappland. Der Pfifferling bildet eine Pflanzengemeinschaft mit der Birke. Man trifft den Pilz in den unterschiedlichsten Landschaften und Waldgebieten an, nicht jedoch in dichten und dunklen Wäldern. Günstige Standorte für Pfifferlinge sind z. B. Ufer von Seen sowie Misch- und Laubwälder auf Inseln. Gute Pfifferlingsammelstellen sollte man jedes Jahr aufs Neue aufsuchen, da der Pilz über mehrere Jahre an einem Standort auftreten kann.

Sammelzeit: Die Pfifferlingsaison ist lang, in Finnland von Ende Juni bis Ende September, sodass man ein und denselben Standort im Laufe eines Sommers mehrmals aufsuchen kann.


 


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